Gerade in unberechenbaren Zeiten wie Corona ist es wichtig, sich und seine Mitmenschen zu schützen und die Sicherheitsvorschriften des Bundes einzuhalten. Können die Sicherheitsmassnahmen nicht eingehalten werden, so wird dringend empfohlen auf Homeoffice und Distanzlernen umzusteigen.
Text: Ruben Carlos Leon, Bild: Tanya Akhmetgalieva Temporary Home
Motivation oder Einbildung?
Diese Umstellung fand bei mir bereits in der Berufsschule im April 2020 statt. Zu Beginn sah ich mich mit diversen Problemen konfrontiert. Es war nicht einfach, sich über einen längeren Zeitraum auf den Unterricht zu konzentrieren, ohne aufs Handy zu schauen oder im Netz zu surfen. Da ich mich nur zu Hause befand, war ich demotiviert und verfolgte jede andere Tätigkeit, als im Online-Unterricht aufzupassen. In der Theorie hätte dies verheerende Folgen gehabt: Wir befanden uns mitten in der Vorbereitung für die Lehrabschlussprüfung. Durch diese spezielle Situation entstand Unsicherheit unter den Lernenden, ob die Prüfungen stattfinden würden und sich der entsprechende Zeitaufwand fürs Lernen lohnt oder nicht. Seit Beginn des Studiums hat sich jedoch meine Mentalität gegenüber dem Distanzlernen von Grund auf geändert. Ich bin nun in der Lage, 8 Stunden am Tag den Vorlesungen zu folgen und stets motiviert dabei zu sein. Der persönliche Trick liegt in den 15-Minuten-Pausen während den Vorlesungen. Merke ich, dass meine Konzentration langsam schwindet, so lege ich mich während diesen Pausen aufs Bett und mache einen kurzen Powernap. Für einige mag dieser Motivationseffekt vielleicht banal oder reine Einbildung sein, aber ich fühle mich nach dem Aufstehen viel lernwilliger als vorher. Natürlich ist dies nur möglich, solange wir den Unterricht von zu Hause aus verfolgen.
Positiver Lerneffekt
Während sich gewisse Studierende in der Zeit des Online-Distanzlernens zurücklehnen und den Stoff aus den Vorlesungen gut verstehen können, gibt es solche, die Mühe mit dieser Umstellung haben. Der Austausch der gesammelten Erfahrungen mit anderen Studierenden in dieser besonderen Lage hat mir gezeigt, dass gewisse meiner Verhaltensmuster denjenigen im Frühjahr ähneln, was mich nicht überrascht hat. Meine eigenen Erkenntnisse zeigen, dass sich die momentane Situation positiv auf mein Lernverhalten auswirkt und ich mir langfristig mehr merken kann. Dieser Effekt wird nicht zuletzt auch begünstigt durch meine Powernaps, welche ich in den Pausen der Vorlesungen halten kann.
Die Dozentinnen und Dozenten sind auf unsere Feedbacks zu vergangenen Vorlesungen angewiesen und betonen immer wieder, dass wir nachträglich aufgekommene Fragen jederzeit per E-Mail stellen dürfen. Dies kann aber zu längeren Wartezeiten führen, da einerseits andere Studierende ebenfalls zusätzliche Erklärungen wünschen und andererseits der persönliche Kontakt vor Ort wegfällt, an welchem eine Mehrheit der Fragen hätte geklärt werden können.
So fern, aber doch so nah
Denken Absolventen und Absolventinnen an ihre Studienzeit zurück, so erwähnen viele die entstandene Kameradschaft unter den Studierenden. Aufgrund der vorhandenen Krise wird uns der Aufbau eines solchen Klassenklimas erschwert, da der Kontakt nicht physisch erfolgt und der persönliche Austausch auf ein Minimum reduziert wird, da wir aufmerksam zuhören müssen. Selbst wenn alle in der Vorlesung die Kamera einschalten würden, fühlt man sich mehr beobachtet als den anderen Teilnehmern ein Stück näher zu sein.
Welche Auswirkungen dies auf die sozialen Aspekte für die Zukunft haben kann und wird, bleibt offen. Es ist ungewiss, ob die Hilfsbereitschaft unter den Studenten leidet und nach solch langer Zeit doch noch aufkommen kann. Schliesslich hängt diese Bereitschaft von der einzelnen Person ab. Uns bleibt nur zu hoffen, dass diese ausserordentliche Situation bald ihr Ende findet.