Desinfizieren. Masken tragen. Abstand halten.

Das Jahr 2020 bleibt der Bevölkerung noch lange in Erinnerung. Ein Virus namens Covid-19 stellt die Menschheit vor eine neue Herausforderung. 

Text und Bild: Jonas Berger

14. März 2020. Es ist mein 20. Geburtstag. Für das Fest am Abend ist alles vorbereitet, doch der neue Virus beunruhigt mich. Meine Grosseltern und ein guter Freund haben sich vorgängig vom Fest abgemeldet: Es sei ihnen zu riskant. Soll ich das Fest absagen? Trotz Bedenken führe ich es durch. In diesem Moment ist mir noch nicht bewusst, dass ich meine Familie und Freunde das letzte Mal für eine lange Zeit sehe. 

Am frühen Morgen des 16. März 2020 rücke ich wie gewohnt in die Kaserne ein. Noch drei Wochen, dann sind alle 300 Diensttage geleistet. Aber so weit soll es nicht kommen. Am Nachmittag haben die Bundesrätinnen und Bundesräte eine Medienkonferenz angekündigt, in welcher sie die «ausserordentliche Lage», laut Epidemiengesetz, ausrufen. Alle Restaurants, Geschäfte und Läden müssen für einen Monat schliessen. Die Lebensmittel- und Gesundheitsversorgung wird weitergeführt. Im Weiteren gibt die Verteidigungsministerin, Viola Amherd, das Vorgehen der Armee bekannt. Beispielsweise werden Urlaube gestrichen und der Dienst von aktiven Formationen verlängert. Wie viele Schweizerinnen und Schweizer verfolgen auch wir in der Kaserne die Liveübertragung der Medienkonferenz im Fernsehen. Für uns ist der Fall rasch klar – die nächsten paar Wochen werden eine Herausforderung. Ab jetzt heisst es: «Desinfizieren. Masken tragen. Abstand halten.» 

In anderen Ländern, wie Italien, dürfen die Menschen nur in gewissen Fällen aus dem Haus. Die Lage dort ist prekär. Die Infizierten werden aussortiert und in den Spitälern abgewiesen, da die Zimmer bereits ausgelastet sind. 

Andere Herausforderungen erleben wir in der Armee. Die ersten zwei Corona-Infizierten in meiner Kompanie sind bekannt. Mehrere Gruppen sind in der Quarantäne und müssen fast zwei Wochen zusammen in einem Zimmer ausharren. Dieser Situation kann ich ausweichen, aber die lange Urlaubssperre und die Dienstverlängerung nach so vielen Tagen schränken ein. Doch der starke Zusammenhalt und der Humor unter den Kameraden sind schätzenswerte Aufsteller im Alltag. 

Altbewährte Mittel

Die Liebe motiviert und spendet Kraft. Der soziale Kontakt zu den Liebsten ist gefragter denn je. Die ausbleibenden Treffen mit der Familie bereiten vielen Militärangehörigen grosse Mühe. Wir greifen auf altbewährte Kommunikationsmittel zurück. Mit Briefen, Karten und Paketen versuchen die Familien ihren Liebsten eine Freude zu bereiten. Dies merkt auch der oberste Feldpöstler, Oberst Fritz Affolter: «Wir spüren eine massive Zunahme der Sendungen». Gemäss Angaben der Schweizerischen Post verteilen sie allein im Monat April in diesem Jahr rekordverdächtige 17 Millionen Pakete. Besonders in Beziehungen ist diese lange Abwesenheit herausfordernd, welche mit kleinen Freudemomenten in Form von Paketen oder Briefen gemeistert wird. 

Zurück zur Normalität

Glücklicherweise ist die Anzahl der Infizierten in den nachfolgenden Monaten gesunken und die Bevölkerung kann teils wieder unter normalen Verhältnissen leben. Der Studienbeginn vieler Studierender verläuft, wie viel anderes in diesem Jahr, ungewöhnlich. Einige Fachhochschulen, beispielsweise in Luzern, verzichten auf den Unterricht vor Ort. Andere hingegen, wie die Fachhochschule Nordwestschweiz, versuchen das Möglichste und organisieren einige Vorlesungen im Hochschulgebäude. Von Beginn an ist bei den meisten Studierenden mindestens ein Teil des Unterrichts in digitaler Form abgehalten. Dies hat Vor- und Nachteile. Einige Studierende sind froh, den Anfahrtsweg meiden zu können, andere hingegen bereitet es Mühe, sich zuhause zu konzentrieren. 

Eines ist klar: Dieses Jahr ist für alle eine Herausforderung. Doch wenn die ganze Bevölkerung die Vorschriftsmassnahmen einhält, meistern wir diese Situation gemeinsam. 

Hinterlasse einen Kommentar